Willkommenskultur am Bahnhofsvorplatz

Erstellt von Martin Koob am 09.09.2020 um 12:25 Uhr

Leider galt bei der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes die Maxime "Ideologie vor Realitaetssinn". Was zu mindestens zwei skurrilen, aber "Giessen-typischen" Nicht-Einrichtungen gefuehrt hat, die man abaendern und der Realitaet sowie normalen Erwartung und Verhaltensweise der Menschen anpassen sollte:
Die komplette Sperrung des Vorplatzes fuer Privatfahrzeuge wird niemals durchssetzbar sein, da insbesondere seltene "Gaeste" des Bereiches diese Regelung nie verstehen werden, gerade wenn sie die Oma oder andere gebrechlichere Personen (auch ohne Behindertenausweis!) nur mal kurz zur Bahn bringen wollen - die Einrichtung von drei "Kiss&Ride"-Plaetzen, an denen man seine Lieben schnell absetzen kann, wuerde dem schon jetzt gelebten Geschehen entsprechen und definitiv ein groesseres Realitaetsbewusstsein und Verstaendnis zeigen als die derzeitige Ideologie, die man wohl kaum jedem vor Einfahrt in den Bereich erst mal gross erklaeren kann....

Dann macht der gepflasterte Vorplatz mit seiner Leere und den darauf platzierten Taxis auch eher den Eindruck, als wolle man alle Leute nur schnell wieder los sein - statt sie zum Verweilen einzuladen. Ein aeusserst schlechter erster Eindruck, den Giessen da hinterlaesst. Die neue "Bahnhofspassage" ist nahezu tot, da man die Gelegenheit verpasst hat, sie mit einem Cafe oder aehnlichem zu versehen, dass dann auch eine Aussenbewirtung auf dem gepflasterten Teil hat, und eben Einladend wirkt. Statt dort vier oder fuenf Taxis und noch irgendwelche Lieferwagen rumstehen zu haben.
Da hat sich die Taxi-Lobby gegen eine eigentlich wuenschenswerte Willkommenskultur durchgesetzt - obwohl ja z.B. vor dem Shop zwischen Gleis 11 und dem eigentlichen Bahnhofsgebaeude auch noch genug "Platz auf dem Platz" gewesen waere fuer mindestens 3 Taxis.
Dem Flair der Stadt wuerde eine solche kleine Massnahme wirklich gut tun.
Im Moment ist der Bahnhofsvorplatz allgemein unfreundlich, abweisend und geschaeftsmaessig kuehl - ein Bild, von dem man sich mit ein paar kleinen Massnahmen entfernen koennte. Ohne dass der Verkehr selbst darunter leiden wuerde.

Kommentare (1)

Jan Buck

ID: 459 13.09.2020 10:43

Realitätssinn bedeutet, den erwiesenen Fakt anzuerkennen, dass bereits wenige angebotene Parkplätze einen Parksuchverkehr anziehen, der das Parkangebot immer übersteigt. Das bedeutet, statt mit wenigen verirrten Ortsunkundigen hat man es stattdessen mit allen zu tun, die auf gut Glück einfach mal versuchen, einen der wenigen PKW-Haltepunkte zu erwischen.