Die Situation ist vollkommen aus dem Ruder geraten

Erstellt von Sara Martin am 30.01.2022 um 20:46 Uhr

Ich bin in Gießen aufgewachsen. Die Verrohung hat seitdem nur zugenommen. Wenn man allein unterwegs ist, meidet man den Bahnhof, ist froh, dass man "nur" einmal dumm angemacht wurde, freut sich über jede funktionierende Straßenlampe. Das sind alles Dinge, die nicht normal sind - Frauen passen sich aber der Situation an.

- Der Bahnhof ist ein Drogenumschlagplatz sondergleichen. Abends für Frauen alleine nicht betretbar. Hier muss gehandelt werden. Vor einiger Zeit gab es eine Polizei-Präsenz-Aktion in der ganzen Stadt - für den Bahnhof fand ich als Frau das super und fühlte mich wesentlich besser.
- In der Nordstadt gibt es ganze Straßenzüge ohne eine einzige Straßenlampe.
- Eine der wichtigsten Dinge: Dumme Sprüche, hinterherrufen, Belästigungen, nachlaufen...das sind alles Dinge, die NICHT okay sind. Wir Frauen sind nach so einer Situation aber nur froh, dass nicht mehr passiert ist! Es muss dafür sensiblisiert werden, dass dieses Gebahren toxisch ist und zur Anzeige gebracht werden kann. Männer müssen sensibilisiert werden - meinetwegen, durch eine stadtweite Kampagne oder in Schulen oder sonstwo.
-(Werbekampagne, etc?) - es müssen Anlaufstellen in Gießen geschaffen werden, in die ich in einer gefährlichen Situation gehen kann. Vllt. würde man sich als Frau besser fühlen, schnell eine Bar zu betreten, wenn dort von außen sichtbar ist, dass sie hier geschützt ist. Könnte man auch mit einer Kampagne Werbung für machen? Stichwort Schutzräume schaffen.
- So leid es mir auch tut - Wir brauchen mehr Polizeipräsenz. Oder das Ordnungsamt. Ich weiß, auch dort sind die Ressourcen beschränkt, aber an Plätzen wie Bahnhof oder Marktplatz muss aufgeräumt werden.
- Die Polizei sensibilisieren. Belästigung ist kein Kavaliersdelikt über das man die Augen rollen kann.
- Nochmals: Männer müssen dafür sensibilisiert werden, was Frauen tagtäglich passiert. Ohne die Hilfe der 'Vernünftigen' wird es nicht gehen. Macht die Augen auf und bietet Hilfe an, wenn ihr etwas seht.

Kommentare (1)

Judith Decker

ID: 721 30.01.2022 21:53

Zu dem Punkt "Es müssen Anlaufstellen in Gießen geschaffen werden, in die ich in einer gefährlichen Situation gehen kann" ein paar Beispiele aus anderen Städten:

Bonn, Düsseldorf, Karlsruhe, Köln und München haben bei Großveranstaltungen Security Points für Frauen und Mädchen eingerichtet. Erlangen hat sogenannte „Rettungsinseln“ in zwei
Rettungswachen und auf einem zentralen Platz in der Innenstadt als Anlaufstelle für bedrohte und belästigte Personen eingerichtet. Freiburg plant "sichere Orte" mit geschultem Personal, an das sich belästigte Frauen wenden können. Die Orte sollen mit einem Aufkleber gekennzeichnet und auf einer Onlinemap angezeigt werden.